Glima – Grappling auf Germanisch

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Island ist eine ganz besondere Insel. Und die meisten Besonderheiten beruhen darauf, dass es so klein und und j.w.d. liegt. Die großen Machtblöcke Europas haben sich einfach lange nicht um eine Eroberung gekümmert.

Und so hielt sich, durch die späte Christianisierung, einiges an germanischer Kultur, was andernorts schon längst als heidnisch ungebräuchlich war. Überhaupt ist die Snurra-Edda von Snorri Sturluson im 13ten Jahrhundert verfasst, die wichtigste Quelle über die germanische Kultur überhaupt. Ohne dieses isländische Buch hätten wir auch keinen Avenger mit Namen Thor im Kino bewundern dürfen.

Andere kulturellen Besonderheiten sind kulinarische, aber die vertiefen wir hier nicht. Oder hat jemand Interesse an schwarz geräuchertem Schafskopf, vergorenem Hai oder in Molke eingelegte Hammelhoden?

Nationalsport in Island ist aber das Glima. Das ist eine sehr spezielle Form des Ringens, die – vor der Christianisierung wahrscheinlich in ganz Nordeuropa üblich war. Sie unterscheidet sich von anderen Disziplinen durch einen hohen Grad an Ritualisierung.

Glima wird traditionell im Freien ausgeübt. Zur Ausstattung gehört seit mindestens 200 Jahren ein spezieller Gürtel mit Lederriemen auch um die Oberschenkel, der Ähnlichkeit mit einem modernen Klettergurt hat. Oder mit Strapsen.

Die Gegner greifen sich an diesem Glimabelt und umrunden sich gegenseitig im Uhrzeigersinn. Das heisst sich Stigandi. Nun gibt es acht Hauptgriffe, die Brögð – deren Namen unaussprechlich sind – um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Denn wer mit einem anderen Körperteil als Händen und Füßen den Boden berührt, hat verloren.

Ein Sieg durch pure Körperkraft, Stoßen oder sich auf den Gegner fallen zu lassen ist dabei regelwidrig. Für den unbefangenen Betrachter hat es den Charakter eines Tanzes und erinnert stark an das vielleicht bekanntere „Schwingen“, wie es in der Schweiz immer noch populär ist.

Um die Lage zu verkomplizieren, gibt es aber noch andere Geschmacksrichtungen im Glima. Und die haben in anderen skandinavischen Ländern auch noch andere Namen.

Beim Livtags-Glima – isländisch: Axlatök – greift man sich, wie beim Griechisch-Römisch am Oberleib und verwendet keinen Glimabelt. Ziel bleibt es aber – wie beim schon beschriebenen Glima – trotzdem stehen zu bleiben.

Das gilt auch für die dritte Form, das sogenannte Lösatags-Glima. Hier sind alle Griffe, Tricks und Hebel erlaubt und gewonnen hat derjenige, der steht, während der Gegner am Boden liegt. Oft gehen natürlich beide zu Boden und diese Kämpfe sehen deswegen den modernen Formen des Grapplings auch am ähnlichsten. Aber der Hauptaugenmerk liegt hier am Wiederaufstehen oder dem Verhindern desselben. Diese Form wird international auch oft als Combat-Glima bezeichnet. Das gibt es auch in einer Selbstverteidigungsvariante, die dann aber mit der uralten Tradition nicht mehr so viel zu tun hat.

Links:
Viking Glima Federation, International Glima Association und Glima Deutschland. Letztere etwas verwaist…
Auf YouTube gibt es einen Fünfteiler zu „Combat Glima“. Hier der erste Teil.

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