Der größte Boxkampf, den es nie gab: The „Super Fight“

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Wenn ihr den (hoffentlich) letzten Rocky-Film von 2006 gesehen habt, erinnert ihr euch vielleicht daran, dass der Aufhänger für Rockys Rückkehr ein computergenerierter Fantasiekampf war.

Interessant ist, dass es diese Art von Kämpfen schon lange gibt. Die Geschichte des Boxkampfs in diesem Video beginnt 1967, als Murray Woroner, ein eher unbekannter Radio-Producer, eine neue Idee hat.
„Wir nehmen die größten Boxer aller Zeiten und lassen sie in virtuellen Radio-Boxkämpfen gegeneinander antreten.“
Am Ende der Sendereihe haben wir dann den größten Boxer aller Zeiten!“

Der Plan funktionierte so: Wir erfassen von diesen Boxern alles, was wir an Daten haben. Ihre Stärken, Schwächen, Kampfstile, Schlagtechniken, Ausdauer und Geschwindigkeit und packen das in eine Formel. Diese füttern wir in einen Computer und lassen den Kampfverlauf und das Ergebnis berechnen. Das wird dann schon stimmen.

Die Computer hatten gerade einen Miniaturisierungsprozeß hinter sich und somit passte der verwendete NCR315-Rechner praktischerweise in ein normales Wohnzimmer. Mit der vollen Power seiner 20Kb-CPU berechnete er das Ergebnis in der Nacht vor der Sendung. Der Prozess dauerte ca. eine Dreiviertelstunde.

Das entstandene Protokoll, das jeden einzelnen Schlagabtausch beschrieb, wurde auf Band kopiert und zu einem anderen Rechner getragen, der das Ergebnis dann ausdruckte. Alles nicht so einfach, dennoch war der Respekt vor diesen Rechenmaschinen damals sehr hoch.

Woroner und der schon damals berühmte Guy LeBow machten daraus eine Radiosendung, die genauso funktionierte, wie die Moderation eines „echten“ Boxkampfs. Man kann sich vorstellen, dass damals alle die sich für Boxen interessierten diesen Kämpfen zuhörten. Und die Boxer natürlich auch. Aber natürlich waren nicht alle zufrieden mit den Ergebnissen. Ausser wahrscheinlich Rocky. Und zwar der echte, mit dem Nachnamen Marciano, denn er wurde zum größten Boxer aller Zeiten gekürt und gewann $ 10.000,-

Muhammed Ali aber hatte in der Mitte der 69er Jahre seinen Titel als Weltmeister im Schwergewicht mehrmals verteidigt und ihn verloren, weil er den Wehrdienst verweigerte. Ungeschlagen, aber ohne die Erlaubnis, in den Ring steigen zu dürfen. In der ersten Runde dieses virtuellen Wettkampfs hatte er noch Max Schmeling geschlagen, aber dann nach Punkten gegen Jim Jeffries verloren.

Also nahm er sich einen Anwalt und verklagte Woroner wegen Rufschädigung auf eine Million Dollar. Man einigte sich aber außergerichtlich, denn Woroner hatte noch eine bessere Idee. Er bot Ali $ 10.000,-, wenn er bereit wäre in einer Filmversion dieser Computer-Kämpfe gegen Marciano zu boxen. Er und Rocky bekamen auch eine Beteiligung am Einspielergebnis.

Das die beiden nie gegeneinander geboxt haben, hatte natürlich einen berechtigten Grund. Rocky ist beinahe zwanzig Jahre älter als Ali und war schon dreizehn Jahre im Ruhestand, hatte sich ein Wohlstandsbäuchlein zugelegt und nicht mehr das volle Haupthaar seiner Erfolgsjahre. Aber für diesen Film brachte er sich noch einmal in Form und eine Perücke half auch zu verbergen, dass die Boxlegende nicht mehr zwanzig war, sondern eher 46.

Man traf sich und sparrte über mehrere Tage an die 75 Runden, wobei man versuchte, jedes mögliche Szenario zu berücksichtigen. Basierend auf dem Report des NCR315 schnitt man dann den Film zusammen und feierte am 20. Januar 1970 die Vorführung in über 1500 Kinos, was für diese Zeit respektabel war. Das Ergebnis war zu diesem Zeitpunkt keinem bekannt.

Alle Kopien des Films wurden nach diesem Tag vernichtet, um einen „echten“ Boxkampf zu simulieren. Trotzdem verdiente der Streifen 5 Millionen Dollar.

Muhammed Ali sollte in diesem Jahr noch seine großes Comeback haben und sich dann den Titel beim „Rumble in the Jungle“ 1974 wiederholen.

Rocky Marciano erlebte die Vorführung nicht mehr. Drei Wochen nach Drehschluss stürzte er mit einer Cessna 172 ab und verstarb. Von 49 Kämpfen in seiner Laufbahn hatte er alle gewonnen, 43 durch K.O. Auch den 50sten, den fiktiven Kampf gegen Ali gewann er in der 13. Runde durch Knockout.

Ali meinte zu dem Ergebnis: „Wahrscheinlich ist der Computer aus Alabama.“ (Tiefste Südstaaten)

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