Europäische Kampfkunst: Das Langschwert

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Es gibt tatsächlich auch in Europa Kampfkünste, man muss nicht unbedingt in China oder Japan suchen. Allerdings sind diese zum Teil über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Seit den letzten 20 Jahren wird aber speziell das Fechten mit dem Langschwert als Kampfkunst wieder populär.

Unser Bild vom historischen Fechten ist ein bisschen verzerrt durch unzählige Mantel- und Degenfilme. Wir stellen uns entweder schwer gepanzerte Ritter vor, die den Gegner mit dem Zweihänder spalten oder leichtfüßige Musketiere, die sich gegenseitig die Lungenflügel punktieren.

Die historische Wahrheit ist aber, dass das Fechten eine komplette und ausgefeilte Kampfkunst war, mit verschiedenen Schule und einer langen Entwicklung. Mit dem Hochmittelalter begann speziell in Deutschland die Hochzeit des Schwertfechtens, bedingt durch die juristische Möglichkeit eine Fehde auch mit einem Duell zu regeln. Es wurde also wichtig, sich – quasi als Rechtsschutzversicherung – im Fechten ausbilden zu lassen. Der Fechtlehrer als Beruf war geboren.

talhoffer

Viele Fechtlehrer schrieben Bücher zu diesem Thema, uns sind über 150 verschiedene erhalten, und einige der wichtigeren Namen lauten Danzig, Ringeck, Speyer, Talhoffer oder Leckküchner. Herausragend ist aber das Werk von Liechtenauer, das von anderen Lehrern am häufigsten zitiert wird. Tatsächlich wird das Kämpfen mit dem Langschwert oft mit der Liechtenauer Schule gleichgesetzt.

Der Begriff „Langschwert“ ist historisch nicht eindeutig, gemeint sind beim sogenannten „Europäischen Fechten“ primär Zweihandschwerter. Verständlicherweise setzt man dabei kein Schild ein. Gerade diese Form ist besonders gut rekonstruierbar und verbreitet.

Gekämpft wird mit stumpfen Schwertern und mit Körper- und Gesichtsschutz, die zu lernenden Formen und Fachbegriffe richten sich nach den mittelalterlichen Originalen:

„Zu allem Fechten, gehört die Hilfe Gottes von Rechten.
Ein gerader und gesunder Leib, ein ganz fertiges Schwert besonders.
Vor, Nach, Schwäche, Stärke – Indes, das Wort ist damit zu merken.
Hiebe, Stiche, Schnitte, Drücken – Leger, Schützen, Stösse, Fühlen, Zücken.
Winden und Hängen – Rücken, Striche, Sprünge, Greifen und Ringen.
Weisheit und Kühnheit – Vorsichtigkeit, List und Klugheit.
Mass, Verborgenheit – Vernunft, Vorbetrachtung, Fertigkeit.
Übung und guter Mut – Motus, Gelenkigkeit, schreite gut.“
Quelle Handschrift. 3227a („Döbringer“), 14. Jh.

Bis in die Renaissance war die sogenannte „Deutsche Schule“ im europäischen Fechten tonangebend, bis sich, speziell in Italien, neue Waffentypen zu entwickeln begannen. Aus dem Langschwert wurde im Laufe der weiteren Geschichte das Rapier, der Säbel, der Degen und letztendlich das Florett. Die letzteren drei Waffen sind immer noch olympische Disziplinen.

armor

Die Anhänger des Langschwert-Fechtens sind mittlerweile zahlreich und in verschiedenen Verbänden organisiert. In Europa besonders wichtig ist die HEMAC – „Historical European Martial Arts Coalition“, der inoffizielle Dachverband der europäischen historischen Fechter. In Amerika sitzt seit 1996 die internationale „ARMA“, the Association for Renessaince Martial Arts.

Das New York Times-Video, das hier eingebunden ist, berichtet von einem mittlerweile großen Event in den USA, „Longpoint“ – schöne, informative Website.

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