Bruce Lee: Eine Kurz-Biografie in YouTube

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Bruce Lee gilt als „Father of MMA“, Erfinder des Martial-Art-Films, Schöpfer der Kampfkunst „Jeet Kune Do“ und als Ausnahmesportler. All‘ diese Claims sind diskussionswürdig, sicher sagen kann man aber, dass ohne ihn die heutige Kampfsport-, Kampfkunst- und Filmwelt eine völlig andere wäre. Seine Bedeutung ist umfassend und schwer zu erklären. Also lassen wir das doch einfach.

Vielmehr ist das eine kleine Kurzbiografie mit vielen erklärenden Videoschnipseln aus dem Riesenfundus von YouTube. Und vielleicht ist das dabei entstehende Bild ja sogar bezeichnender als die ganzen Legenden und Hymnen, die man sonst so kennt.

Bruce Lee Biographie

Geboren wurde Bruce Lee am 27. November 1940, im Jahr des Drachen. Sein Vater war in China als Opern- und Filmstar bekannt und berühmt. Die einflussreiche chinesische Gemeinde in San Francisco hatte für ihn und das Ensemble eine kleine Tour in den USA ausgerichtet. So wird der frischgeborene Jun-Fan Lee zum amerikanischen und chinesischen Staatsbürger.

Während dieses Amerika-Aufenthalts besetzen japanische Truppen Hongkong und sollten dieses fünf Jahre beherrschen. Trotzdem entschied sich die wohlhabende, einflussreiche Familie Lee zur Rückkehr in die Heimatstadt.

Dort waren alle chinesischen Schilder bereits verschwunden. Die vorherrschende Ideologie des göttlichen, japanischen Tennos und seiner effektiven Armee kann man sich durchaus ähnlich rassistisch vorstellen wie wir das von den Nazis kennen: Die Chinesen galten als rassisch minderwertig.

Die erlittenen Kriegsverbrechen und die Demütigungen dieses Konflikts belasten das Verhältnis von China und Japan bis heute.

Mit der Kapitulation Japans 1945 fiel Hongkong wieder zurück an das Britische Empire, deren Pachtvertag noch bis 1999 galt. Die britische Kultur lernte der junge Bruce am deutlichsten in der Schule kennen. Auch seine Mitschüler und Lehrer hatten sicher nicht die beste Meinung den „chinesischen Bauern“ gegenüber, so dass wir uns hier ruhig schon die ersten Balgereien und Schlägereien vorstellen können.


 

„The Kid“, 1950 (3:15)

Durch den Einfluß seines Vaters wurde Bruce schon von den ersten Monaten seines Lebens an zum Kinderstar aufgebaut. Hier z.B. spielt er einen kleinen Jungen, der durch die geneigte Aufmerksamkeit eines stadtbekannten Gangsterbosses an Macht und Einfluss gewinnt. Wir sehen, wie er den großen Jungs Geld für einen Snack spendiert, seinen späteren signature move (0:35) und ein Zwiegespräch mit seinem Ziehonkel. Drollig, gell?


Yip Man, 1954-1959 (8:01)

Ja, gemeint ist DER Ip Man, über den gerade vier Filme gedreht wurden. Sein Werk erlebt gerade eine große Renaissance im chinesischen Bewußtsein. Yip Man, wie wir ihn in Deutschland nennen, hat eine Form des südlichen Kung Fu in die Moderne gerettet, das Wing Chun.

Bruce Lee begann dort seinen Unterricht im Alter von 13 Jahren. Weil er unablässig und sehr ehrgeizig trainierte, wurde er der Legende nach zu einem von fünf Schülern, die auch persönlich vom Meister unterrichtet wurden. Auf diesem Schnipsel von 1972, der bewundernswert restauriert wurde, sehen wir einen achtzigjährigen, Yip Man, mit Krebs im Endstadium, der aber trotzdem gelenkiger wirkt, als ich vor meinem ersten Kaffee.


„Darling Girl“, 1957 (0:39)

Um auch beim anderen Geschlecht einen Treffer landen zu können, beginnt Bruce neben der Schule und dem aufwendigen Kampfkunsttraining, den angesagten Modetanz der 50er zu erlernen: Den Cha-Cha-Cha! Das wurde von seinem Vater gleich in einem Film verwurstet, siehe diesen Clip. Und weil er im Tanzen den gleichen Ehrgeiz entwickelte wie im Kämpfen, wurde er glatt 1958 Hongkong-Meister in dieser Disziplin.


Ein Jahr vor dem obigen Clip hatte der aufsässige Schüler, der durch Raufereien und freche Bemerkungen genauso auffiel wie durch ständig abfallende Noten sicherheitshalber auf eine andere Schule gewechselt, wo er mit dem westlichen Boxen bekannt wurde. Bei einem internen Boxwettkampf der Hongkonger Colleges besiegte er in der dritten Runde auch den bisherigen Meister, Gary Elms, durch K.O. Und gewann das Turnier in seiner Gewichtsklasse.

Bald änderte sich Bruces Leben aber dramatisch: Bei einer Auseinandersetzung mit einer rivalierenden Kampfschule kam es erneut zu einem aktenfälligen Zwischenfall, denn Bruce brach seinem Kontrahenten das Kiefer. Nur mit äußerstem Charme konnte seine Mutter – die übrigens halb deutscher Abstammung ist – die Polizei überreden, ihren Sohn gehen zu lassen.

Als erzieherische Maßnahme und um seine amerikanische Staatsbürgerschaft nicht verfallen zu lassen, drückte man dem Achtzehnjährigen $100,- in die Hand und schickte ihn per Dampfschiff nach San Francisco, wo er sich bis zur Gründung seines ersten Kampfkunststudios mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt und Philosophie studierte.

Sein Kampfstil und sein sehr individualisierter Unterricht machten ihn langsam im Raum San Francisco bekannt, wo Kung Fu alles in allem noch ein Buch mit sieben Siegeln war.


Karatemeisterschaft in Long Beach, 1964 (22:32)

Die asiatische Kampfkunst, die in den USA nach Judo am bekanntesten war, war Karate. Ed Parker galt als der Kopf und Gründer des Kenpo und führte 1964 eine erste internationale Karatemeisterschaft durch. (Das ist übrigens einer der berühmten Karatelehrer von Elvis.) Bruce wurde eingeladen, sein Kung Fu zu promoten, was er auch eindrücklich tat. Hier ist der Ursprung des legendären „One-Inch-Punch“, der auf die damaligen Betrachter wie Magie gewirkt hat. Dieses Filmchen wird sich noch als sein Ticket nach Hollywood entpuppen!


Interview, 1965 (8:12)

Ein sehr unbekanntes Video, das wohl für einen kalifornischen Lokalsender entstand und nur in Auszügen gesendet wurde. Wir sehen einen jungen, bescheidenen, aber doch selbstsicheren Bruce Lee, der hier praktisch eine Kurzeinführung des Kung Fu improvisiert und uns einige Techniken vorführt. Beeindruckend sind schon hier die Schnelligkeit seiner Bewegungen und das Durchhaltevermögen seines verängstigten, menschlichen Dummies.


The Green Hornet, 1966 (2:45)

Parallel zu der damals extrem erfolgreichen „Batman“-Serie entwickelte man ein ähnliches Format, basierend auf einem anderen Comic. „The Green Hornet“ hiess der maskierte Detektiv und Cato sein chinesischer Chauffeur. Nach 26 Folgen war der Spaß aber vorbei, dem Sender waren die Quoten nicht hoch genug. Trotzdem hatte Bruce Lee und mit ihm Kung Fu gerade beim jüngeren Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen.


Bruce Lee gegen Batman,1966 (1:17)

Weil’s so schön cheesy ist, dieser Clip, der als Cross-Promotion für die neue Serie „Green Hornet“ diente. Bruce Lee gegen Robin! Schön zu sehen, wie beknackt die Kampfweise von Batman und Robin wirkt, wenn man sie mit den flüssigen, effektiven Bewegungen von Bruce vergleicht. Bäm!


Marlowe, 1968 (5:46)

Hollywood tat sich schwer, Rollen für Bruce Lee zu finden und auch der Einfluß seiner prominenten Schüler half nicht recht weiter. In diesem Film mit James Garner, „Marlowe“ – einer modernen Adaption der populären Detektivfigur von Raymond Chandler – spielt er einen bösen Asiaten, der wahrscheinlich den dämlichsten Filmtod stirbt, den man sich nur ausmalen kann. (Aber er war jung und brauchte das Geld…)


Longstreet, 1971(1:21)

Während man im Hintergrund eine eigene Bruce Lee-Fernsehserie entwickelte, hatte Bruce in der Serie „Longstreet“ einen vier Folgen langen Gastauftritt. Er hilft dem namensgebenden Helden nach dessen Erblindung wieder auf die Beine. Wichtig vor allem wegen dem weltberühmten „Be Water“, das hier zum ersten Mal breite Öffentlichkeit fand.


Die Dinge standen nicht zum Besten für Bruce Lee. Hollywood war fasziniert, aber niemand hatte die Chuzpe einem Chinesen eine richtige Hauptrolle zu geben. Auch eine neue Fernsehserie, an deren Entwicklung er beteiligt war, wurde nicht mit ihm umgesetzt. Statt in einer Erzählung, die von einem Chinesen handelt, der Kung Fu kann, einen Chinesen zu casten, der Kung Fu kann, entschied man sich für einen Weißen, der kein Kung Fu kann. Dieser Mann war David Carradine und die Serie hiess „Kung Fu“.

Also zog die Familie – Bruce hatte geheiratet und zwei Kinder bekommen – zumindest vorübergehend zurück nach Hongkong. Hier lief erstaunlicherweise in ununterbrochener Wiederholung eine Fernsehserie namens „The Cato Show“. Es handelte sich dabei um „Green Hornet“, die extrem erfolgreich in China geworden war. Schnell fanden sich also Produzenten und Bruce konnte endlich die Art von Filmen verwirklichen, die er schon immer machen wollte. Die schönsten Szenen hier:


The Big Boss, 1971 (4:02)

Ich schäme mich für die deutschen Titel, in diesem Fall „Die Todesfaust des Cheng Li“. Bleiben wir also bei den internationalen Bezeichnungen. Dieser Ausschnitt zeigt den sogenannten „Factory Fight“.

Bis zu Bruce Lee waren die Martial-Arts-Filme dieser Epoche eher an Opern und Legenden orientiert. Schauspieler flogen magisch an Seilen durch die Luft und bewegten sich, als würden die praktizierten Formen magische Kräfte beschwören. Um das Ganze familientauglich zu machen, versah man das Ganze mit Slapstick-Einlagen. In dem gewählten Ausschnitt sind Rudimente dieser Dramaturgie nur zu deutlich zu erkennen.


Fist of Fury, 1972 (6:11)

So! Zeit, es den Japanern heim zu zahlen! Frage: Wieviel Kung Fu-Kämpfer braucht man, um – gefühlt – 58 Karateka zu besiegen? Richtig! Und übrigens: Auf dem Schild steht „Der kranke Mann des Ostens“, gemeint ist China. Kein Wunder, dass dieser Film wieder den Rekord des erfolgreichsten chinesischen Films aller Zeiten knackte.


Way of the Dragon, 1972 (9:48)

Nachdem bislang jeder Film erfolgreicher war als sein Vorgänger, darf hier Bruce machen, was er will. Er schreibt das Drehbuch, produziert, führt Regie und spielt die Hauptrolle. Auch verlagert er die Handlung von Hongkong nach Rom. Im KKS-Kino sehen sie den berühmtesten Schnipsel: Den Kampf gegen Chuck Norris, immerhin mehrfacher Mittelgewichtsmeister im Karate. (Ja, genau. Diese komische japanische Kampfkunst.) Ja, Bruce Lee besiegt den Einzigen, der bei Praktiker 20% bekommt. Auf alles. Auch auf Tiernahrung. Scherz beiseite: Es ist gut zu erkennen, wie Bruce das Filmen von Kampfszenen verändert hat – vergleiche z.B. den obigen „Big Boss“-Clip.


Game of Death, 1978 (2:32)

Der nächste Film, den Bruce Lee zu drehen begann, ist „Game of Death“. Hier taucht auch der berühmte gelbe Anzug auf, den ich als Junge immer haben wollte.

Jeder, der schon mal gesparrt hat, weiß, dass 10 cm Körperlänge und damit Reichweite einen entscheidenden Unterschied ausmachen können. Bruce zeigt uns hier an seinem Schüler, Kareem Abdul-Jabbar – eine Art Michael Jordan der Siebziger – dass ein halber Meter Größenunterschied noch einmal ganz andere Probleme bereiten kann. Leider wurde der Film nie fertig gestellt.


Enter the Dragon, 1972 (3:15)

Denn Hollywood wurde wieder aufmerksam auf den Erfolg. Zusammen mit Bruce produzierte man nun mit „Enter the Dragon“ den ersten amerikanischen Martial-Arts-Film. Man wollte Bruce damit zu einer Art asiatischem James Bond aufbauen und damit westliches und östliches Publikum zur Kinokasse bitten. Das gelang durchaus – der Film wurde ein Riesenerfolg!

Die gewählte Szene ist besonders interessant. Erstens wegen dem berühmten „Boards don’t hit back!“ Das ist eine Anspielung auf die durch Karate bekannt gewordenen Bruchtests, etwas, was dem Kung Fu völlig fremd war. Wer wurde schon ‚mal von wildgewordenen Brettern oder einer Gang von Ziegeln überfallen?

Und zweitens wegen des ersten Schlags: Schnell, oder? Noch verblüffender aber ist, wenn man genau hinsieht, die Tatsache dass Bruce nicht einfach nur schneller schlägt: Vor dem Punch entfernt er noch den blockierenden Arm des Gegners aus der Schlaglinie!


Bruce Lee hat den Erfolg von „Enter the Dragon“ leider nicht mehr erlebt. Drei Wochen vor der Premiere starb er, während er an „Game of Death“ weiterarbeitete. Viele Verschwörungstheorien zu seinem Tod finden sich im Netz. Die offizielle und wahrscheinliche Version ist, dass er an einem Hirnödem starb, als hyper-allergische Reaktion auf eine Schmerztablette. Andere aber berichten über Drogenmissbrauch, Anabolika-Überdosierung, die Japaner, die Kommunisten Chinas oder den CIA als Schuldige. Wenn man noch weiter suchen würde, fände man wahrscheinlich auch den Mossad, Aliens oder Dieter Hallervorden als potentielle Mörder.

Auf jeden Fall war „Enter the Dragon“ der Beginn des sogenannten „Kung-Fu-Craze“, der den Westen für viele Jahre heimsuchte. Aber das wird Thema in einem anderen Post…


Beerdigung 21.7.1973 (2:28)

Bruce Lee war zu einem chinesischen Volkshelden und einem Teenie-Idol geworden. Zehntausende drängen sich bei seiner Beerdigung. Wir sehen auch seine Promi-Schüler Steve McQueen und James Coburn, sowohl in Hongkong als auch in Seattle.


Bruceploitation, 1973 – 2014 (6:20)

Nette, kurze Doku über die Reihe von Nachahmer-Filmen, die nach seinem Tod zu Dutzenden produziert wurden. Alle möglichen Tricks wurden angewandt, um diese Machwerke, deren Niveau ständig sank, mit seinem Namen zu verbinden. So waren die Pseudonyme der Schauspieler Bruce Li, Bruce Le, Bruce Lai oder Bruce Lei. Oder der Titelheld hiess einfach Bruce Lee.

Keiner dieser Filme hat die Jahrzehnte überlebt. Und keiner der Schauspieler ist heute noch bekannt. Keiner? Doch, ein kleiner, unbezwingbarer Schauspieler namens Jackie Chan, einst selber als Stuntman bei Bruce Lee angestellt.


Zum Weiterlesen empfohlen:
Biografie & ein paar schöne Fotos
Detaillierte Bio bei HistoryLink
Offizielle Bruce-Lee-Homepage 

 

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