Geschichte des Grappling: Beni Hasan, Ägypten

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Es gibt zwei unselige Traditionen im Kampfkunst- und Kampfsportbereich. Das eine ist die Erschaffung völlig neuer, unschlagbarer Sportarten durch einzelne legendäre Meister. Das ist – von Chuck Norris abgesehen – Humbug. Auch Imi Lichtenfeld z.B. dürfte nicht der erste gewesen sein, dem aufgefallen ist, das man durch das Treten ins männliche Gemächt Schmerz erzeugen kann – das haben sicher schon vormenschliche Gemächtträger erfahren.

Die andere Tendenz ist es, speziell für die eigene Disziplin historische Wurzeln bis zurück in geologische Zeiten zu stricken. Prinzipiell gibt es aber nur drei Kampfsportarten, die auch im alten Ägypten oder in Sumer schon ausgeübt worden sind. Das sind Methoden des Ringens, des Hauens und des Stockkampfs. Alle modernen Techniken der kämpferischen Auseinandersetzung sind Ergebnisse einer evolutionären Entwicklung. Hier gibt es durch den Austausch der Kulturen oder die Anpassung an die jeweiligen zivilisatorischen Gegebenheiten zwar Entwicklungsschübe, aber keine völligen Neuerfindungen.

Ein Beispiel: Die obige Abbildung ist eine der ältesten Darstellung des Ringens, die wir kennen. Sie ist aus dem Grab von Baqet III in Beni Hasan, aus den Kammern seines Sohnes Khety, der wohl in der elften Dynastie als Gouverneur für seinen Vater tätig war. Die Wandmalereien sind gut erhalten und schön zu betrachten. Die grafische Idee, die Gegner farblich deutlich zu trennen ist ohne historisches Beispiel. Auch wenn das nicht bedeutet, das dies die erste Darstellung des Luta Livre oder des Brazilian Jiu Jitsu ist, macht es doch Spaß zu sehen, das einige der Techniken auch mehr als 4000 Jahre später noch genau so oder ähnlich praktiziert werden.

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