Imi Lichtenfeld und die „Pentcho“

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Die „Pentcho“ auf der Donau (Yad Vashem Photo Archive)

Nachträglich zum gestrigen jüdischen Feiertag „Jom haScho’a“ hier ein kleines Stück aus der Geschichte des Krav Maga: Imi stammt, wie wir alle schon für die P1-Prüfung lernen, aus Bratislava, damals „Preßburg“. Mit den Nürnberger Rassegesetzen und der Angliederung Österreichs „heim ins Reich“ kam es auch in Bratislava zu antisemitischen Übergriffen. Mit 30 Jahren, am 18. Mai 1940, flüchteten Imi und mehr als 500 andere Juden aus der Slowakei auf dem umgebauten alten, klapprigen Schaufelraddampfer „Pentcho“. Damit begann eine unglaubliche Odyssee, die in einem Buch von John Bierman detailliert protokolliert ist. Die „Pentcho“ hatte als offizielles Ziel Paraguay und die Passagiere gefälschte Visa; eigentliches Ziel war aber das britische Protektorat Palästina, das heutige Israel. Dem stark überladenen Flussschiff wurde praktisch in allen Ländern, durch die diese Reise ging, die Weiterfahrt oder das Anlegen mit Waffengewalt verboten; Treibstoff war fast unmöglich aufzutreiben; der Kapitän war ständig im Morphium-Rausch; Imi verstarb fast an einer heftigen Mittelohrinfektion und nur wie durch Wunder ging die Reise immer weiter. In Piräus versorgte die dortige jüdische Gemeinde das Boot noch einmal mit Öl, Süßwasser und Proviant und der verzweifelte Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, begann. Weil das Trinkwasser bald knapp wurde, verwendeten die Matrosen Salzwasser für den Dampfkessel. Nachdem der Boiler schließlich explodierte, trieb das Schiff ohne Antrieb auf dem Meer und die Frauen an Bord nähten aus allen möglichen Stoffen ein provisorisches Segel, so das Wrack auf der kleinen griechischen Insel Kamilanisi notlanden konnte, wo sie schließlich auch sank.

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Die „Pentcho“ kurz nach der Notlandung (Yad Vashem Photo Archive)

Die meisten Passagiere errichteten provisorische Hütten auf dem winzigen Eiland. Doch was nun? Fünf Männer unternahmen in einem Rettungsboot eine verzweilfelte Aktion und ruderten Richtung Kreta auf’s offene Meer. Es gelang der Kontakt zu einem britischen Schiff – der britische Notruf aber wurde vom italienischen Militär abgefangen, der die 514 Passagiere der „Pentcho“ aufnahm, kasernierte und schließlich in zwei Gruppen 1942 in das italienische Konzentrationslager Ferramonti (Kalabrien) brachte.
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Die Überlebenden auf der Insel Kamilanisi (Yad Vashem Photo Archive)

Imi war da schon in Israel, denn er war einer der fünf Ruderer gewesen, die Hilfe geholt hatten.

 

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