Kung Fu und die Pferd-Stellung – Ziemlich beste Freunde

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Pferd-Stellung

Eine der Möglichkeiten die Pferd-Stellung zu üben…

Kung Fu und die sogenannte Reiter- bzw. Pferd(e)-Stellung (chin. „Ma Bu“, engl. „Horse Stance“) gehören unbedingt zusammen. Diese Stellung, bei der man in einer breiten Kniebeuge-Position steht (als ob man auf einem recht wohlgenährten Pferd säße ;)), begleitet den Kung Fu Schüler sein ganzes Leben lang. Sie ist eine der grundlegenden Positionen, aus denen sich die Kampftechniken und Bewegungsformen zusammensetzen.

Allerdings findet man sie nicht nur im dynamischen Kontext, also als Teil einer Bewegung, sondern auch statisch wird diese Position ausführlich geübt. Denn es ist eine anstrengende Stellung, wodurch sie überaus gut zum Kung Fu (chin. für „harte Arbeit“) paßt. 😉 Jede Kniebeuge, die man minutenlang hält wird sicher bald anstrengend. Dabei ist es egal, ob es diese traditionelle Form oder z.B. das bei uns in Fitness-Kreisen gut bekannte „Wandsitzen“ ist.

Auch in den vielen Shaolin Kung Fu Filmen ist die Pferd-Stellung ein wiederkehrendes Element. Denn sie kann so effektvoll noch gemeiner gemacht werden. Da bekommt der Schüler vom Kung Fu Meister z.B. Wasserschalen auf Schultern, Kopf, Oberschenkel oder Arme gestellt, die selbstverständlich nicht herunterfallen dürfen. Oder unter seinem Allerwertesten brennt ein Räucherstäbchen, als kleine Motivation damit er nicht zu tief sinkt. Da entsteht manchmal schon der Eindruck, dass jeder Kung Fu Lehrer ein Sadist ist und jeder Kung Fu Schüler mindestens eine leicht masochistische Neigung haben muss (siehe diverse Kung Fu Filme wie z.B. „Die Schlange im Schatten des Adlers“ oder „Forbidden Kingdom“ mit Jackie Chan).

Doch das Üben der Pferd-Stellung wird im traditionellen Kung Fu nicht nur betrieben, weil es den Körper stärkt. Auch die „Innere Kraft“ wird dabei trainiert. Dabei wird „Innere Kraft“ durchaus ganz unterschiedlich verstanden. Viele meinen damit das „Chi“ (Qi), d.h. die Lebensenergie, die im Körper durch die Meridiane fließt und deren Stocken laut asiatischem Verständnis Krankheiten auslöst. Aber man kann „Innere Kraft“ auch mal ganz profan als „Willenskraft“ verstehen. Das Verharren in der Pferdstellung ist ein meditativer Zustand, bei dem man die Konzentration gezielt auf z.B. den Atem, die Stellung und/oder sein Energiezentrum richtet. Tatsächlich ist die Geisteshaltung entscheidend, damit man eben auch auf einer anderen als der rein körperlichen Ebene davon profitiert und sich nicht einfach nur quält (oder schlimmer, bei falscher Durchführung sogar schädigt).

Wenn man lange in der Reiterstellung steht, werden die Muskeln angestrengt, was zu Zittern und Brennen oder gar zu Taubheitsgefühlen führen kann. Dennoch weiter zu machen, benötigt dann schon eine gehörige Portion an Willenskraft. Der Schüler demonstriert also nicht nur körperliche sondern auch „geistige“ Kraft, wenn er die Stellung absolviert. Da dem in der asiatischen Tradition viel Wert beigemessen wird, kann eine Prüfung ohne die geforderte Pferdstellung deshalb auch nicht bestanden werden.

Bei unserem regelmäßigen Kung Fu Training in München beenden wir unser Aufwärmtraining gewöhnlich mit dieser Übung. Der zeitliche Umfang wird dabei langsam auf bis zu 10 Minuten gesteigert. Anfangs steht der Schüler mit den Händen relativ weit vorn, d.h. recht langen Armen, damit er leichter sein Gleichgewicht halten kann. Später werden die Hände zunächst in die klassische „Mönchshaltung“ gebracht und schließlich noch zusätzliches Gewicht auf die Arme geladen.

Jeder der selbst schon mal über längere Zeit die Pferdstellung regelmäßig geübt hat (ich empfehle allerdings nur jeden zweiten Tag, wenn man beim Üben tatsächlich an seine aktuelle körperliche Grenze geht), der wird feststellen, dass sich seine körperliche Konstitution deutlich bessert. Auch im modernen Fitnesstraining gehört die Kniebeuge (und nichts anderes ist die Pferdstellung ja schlussendlich) zu den wichtigsten/grundlegendsten Fitnessübungen die in keinem Trainingsplan fehlen sollten.

In der Position kann man übrigens auch gut andere Dinge erledigen, z.B. Zähneputzen, Fernsehen, SMS-tippen oder ähnliches… 😉

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